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Darf Satire alles?

Phil Hubbe über seine "Behinderten Cartoons"

Es hat eine Weile gedauert, bis ich mich richtig an das Thema „Behindertencartoons“ herangetraut habe. Freunde und Zeichnerkollegen ermutigten mich dazu. Schließlich sei dies ja ein Thema, bei dem ich auch aus eigenen Erfahrungen schöpfen könne. Der erste Anstoß kam allerdings von dem Buch „Du störst“ von John Callahan. Einem Amerikaner, querschnittsgelähmt, der das Thema ohne Scheu und Skrupel als einer der Ersten bearbeitet hat.
Bei den ersten Zeichnungen habe ich mich noch bei anderen Betroffenen „abgesichert“. Habe meine Arbeiten Mitgliedern einer Behindertengruppe vorgelegt, die eine andere Behinderung hatten als ich und mich auch nicht persönlich kannten. Sie konnten so unbefangen an die Beurteilung gehen. Die Resonanz war durchweg positiv. Gleichzeitig gaben sie mir noch neue Themen und Ideen mit für weitere Cartoons.

Mittlerweile gibt es neben meinem seit 2008 jährlich erscheinenden Kalender „Handicaps“ auch schon drei Bücher mit meinen „behinderten Cartoons“. 

Behinderte wollen als normale Menschen behandelt werden, dass heißt dann aber auch, dass man über sie lachen darf. Es sind die Nichtbetroffenen, die ein Problem damit haben und dann meinen, sie müssten sich schützend vor die Behinderten stellen. Es gibt da noch eine Menge Heuchelei und Scheinheiligkeit im Umgang mit behinderten Menschen abzubauen. Was ich aber auch nicht möchte, mit meinen Zeichnungen unbedingt irgendwelche positiven und pädagogischen Botschaften rüberbringen. Das ist nicht Aufgabe von Cartoons. Sie sollen einen zum Lachen oder Schmunzeln bringen. Wenn einige Zeichnungen noch zusätzlich zum Nachdenken anregen, in Ordnung. Das ist aber auf jeden Fall nicht vorrangiges Ziel der Bilder. 
Ich würde mir wünschen, dass auch Nichtbetroffene zukünftig damit unbefangener umgehen können. Schließlich sagte schon Kurt Tucholsky: „ Satire darf alles.“.

Phil Hubbe

Lebenslauf

Phil Hubbe, Jahrgang 1966, ist nicht nur behindert, sondern auch Magdeburger, Ehemann und Vater. Trotzdem zeichnet er regelmäßig für über 20 Tageszeitungen und Zeitschriften. Nach Abitur, Grundwehrdienst, abgebrochenem Mathematikstudium, Schichtabeiter im Keramikwerk und Wirtschaftskaufmann hat er 1992 endlich aus der Zeichnerei einen Beruf gemacht. 1985 ekrankte er an Multiple Sklerose, wobei die Diagnose erst 1988 gestellt wurde.
Mehr über ihn und seine Arbeit erfahren Sie unter www.hubbe-cartoons.de.

Pressestimmen:
„Über Behinderte zu lachen bedeutet, sie wie normale Menschen zu behandeln.“ (Tagesspiegel, Berlin)
„Vielen behinderten Menschen spricht er offenbar aus der Seele.“ (Frankfurter Rundschau)
„Der an MS erkrankte Zeichner geht mit `seinem Thema´ der Behinderung in die Öffentlichkeit, um Mut zu machen zum Anderssein und ein Selbstverständnis zu vermitteln, das eine ironische Selbstbetrachtung zulässt.“ (Mannheimer Morgen)
Cartoon von Phil Hubbe
Edgar Peege

Edgar Peege (52):

Verkäuferin verarscht den Rollifahrer vor der Theke und der Mann hinter dem Rollifahrer schaut entgeistert den Rollifahrer an als wäre er vom andern Planet.

Reiner Dzwoniarski

Reiner Dzwoniarski (49):

Nach dem Gesichtsausdruck der Verkäuferin zu urteilen, nimmt sie den Rollifahrer auf die Schippe und behandelt ihn wie einen kleinen Jungen.

Werner Paul

Werner Paul (73):

Die (behinderten Menschen) sind eh so arm dran und es geht ihnen schlecht. Da muss man keine Witze machen, die haben es eh schwer!

Stimmen unserer Bewohner

Alexander Gräter

Alexander Gräter (23 Jahre):

Für mich ist man dann behindert, wenn man sich von einer Behidnerung, behindern lässt. Wahre Stärke ist es, über seine Schwächen lachen zu können. Finde solche Comics echt witzig denn genau solche Situationen kenne ich selbst. Was glauben Sie, wie viele Verkäufer sich schon erschreckt haben wenn, plötzlich eine Hand auftaucht wie die Hand eines Ertrinkenden. *frechgrins*
Günther Mascherin

Günther Mascherin (74):

Wenn es als Therapie gilt finde ich die Cartoons in Ordnung, aber als Belustigung oder Witz nicht.

Matthias Freund

Matthias Freund (39):

Die Verkäuferin scheint dem Gesichtsausdruck nach noch überfordert zu sein einen Rollifahrer zu bedienen. Es kommt halt selten vor, dass Rollifahrer alleine zum einkaufen gehen und die Verkäufer sind der Situation evtl. nicht gewachsen.

Phil Hubbe - Buchtipp

Buchtipp: Der Stuhl des Manitou
  • Der Stuhl des Manitou - Behinderte Cartoons
  • Der letzte Mohikaner -  Behinderte Cartoons 2
  • Das Leben des Rainer - Behinderte Cartoons 3
    (Erschienen im Lappan Verlag)
 
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